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Es ist nicht leicht die Bordeauxweine richtig beurteilen zu können, wenn man
die unterschiedlichen, bereits existierenden Klassifizierungen nicht kennt.Es gibt nämlich nicht nur Eine Klassifizierung von Bordeauxweinen, sondern mehrere.
Einige bevorzugen Weißweine, andere eher Rotweine. Und welcher ist der Beste?
Ein „Médoc“, ein „Grave“, ein „St. Emilion“, eine „Pomerol“, ein „Côte de Blaye“…?
Deshalb wurden die Klassifizierungen immer bei Weinen gleicher Bezeichnung durchgeführt.
Die Weingüter ändern zwar nicht ihren Standort, allerdings kommt es oft vor, dass der Besitzer, der Kellermeister, der „Chef de culture“ oder der Önologe wechselt… und deren Geschmäcker sind nicht immer dieselben.
Man sollte also alle Klassifizierungen wie eine zu einer bestimmten Zeit ausgewählte Siegerliste betrachten und dabei auch die gegebene Situation beachten.Wir werden uns in diesem Bericht auf die Klassifizierung der Weine von 1855 beschränken.
Die Klassifizierung von 1855 hat eine Klassifizierung bestätigt, die bereits existierte. Sie wurde allerdings nur in einem internen Kreis von Maklern benutzt, die damit die Preisskala der Weine festlegten.
Napoleon III war es, der, anlässlich der 1855 in Paris stattfindenden Weltausstellung, die Handelskammer von Bordeaux dazu aufforderte, eine Klassifizierung der Weine zu erstellen. Sein Anliegen war es die Bedeutung der Bordeauxweine zu betonen.
Um die Weine des Départements Gironde gemäß strengsten Kriterien präsentieren zu können, vertraute die Handelskammer den Weinmaklern vom „syndicat des
courtiers de commerce“, die am „Place de la Bourse“ ihren Sitz hatten, die Aufgabe an, Weine auszuwählen und deren Erzeugnisse zu bewerten. Eine Aufgabe, die nur den Jurymitgliedern unterstellt wurde, die bereits bei der ersten Sortierung mit dabei waren.
Das Schreiben vom 18. April 1855 stellt die berühmte Klassifizierung, die nach Kriterien wie Verkaufspreis der letzten Jahrzehnte und Architektur des Weinguts… erstellt wurde, vor. Nur die besten Weine haben das Recht auf eine Klassifizierung.Schließlich wurden 60 Rotweine des „Médoc“, 27 Weißweine der „Sauternes“ und des „Barsac“ und ein „Grave rouge“ ausgewählt.
4 Weingüter wurden in die erste Klasse aufgenommen
und somit als „Premier“ qualifiziert:- Château Lafite-Rothschild (médoc)
- Château Latour (médoc)
- Château Margaux (médoc)
- Château Haut-Brion (grave)
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Diese Rangliste wurde nur noch ein einziges Mal geprüft, und zwar im Jahre 1973, um die „Premiers Crus“ auszuwählen. In dieser Klassifizierung befand sich unter anderem auch „Mouton-Rothschild“.
Es gibt also insgesamt 61 klassifizierte Weingüter: 60 befinden sich im „Médoc“ (davon sind 4 als „Premiers“, 14 als „Second“, 14 als „Troisièmes“, 10 als „Quatrièmes“ und 18 als „Cinquièmes“ qualifiziert) und 1 „Premier“ kommt aus der „Grave“.
Ein Weingut des Sauternais, das „Château YQUEM“, wurde als „ premier cru supérieur“ eingestuft.
Man kann also feststellen, dass nur die Weinanbaugebiete, die von der Handelskammer Bordeaux (gegründet im Mai 1705) abhängig sind, und deren Handelsweine durch den Handel in Bordeaux qualifiziert wurden. Die Region von Saint-Emilion, dagegen, verfügte nicht über dementsprechende Mittel, denn die Handelskammer von Libourne wurde erst im Dezember 1910 gegründet. Die legendäre Rivalität zwischen Bordeaux und Libourne ist hier offensichtlich.
Wie bei jeder Auswahl kann über die Klassifizierung gestritten werden. Die bereits beurteilten Erzeugnisse („crus classés“) wünschen keine Überarbeitung, die nichtklassifizierten Weine („crus non classés“), dagegen, halten eine Überarbeitung der Situation durchaus für angebracht.
Einige Erzeugnisse hätten es wohl verdient in dieser Klassifizierung, die im Übrigen immer mehr in Frage gestellt wird, einen Platz zu erhalten. Wie es bereits oben angedeutet wurde, verändert sich die Qualität der Weine: heutzutage gibt es neue Besitzungen, die an das Niveau der „premier cru“ herankommen würden, allerdings nie klassifiziert werden, da sie eben im Jahre 1855 noch nicht existierten.
Die Klassifizierung ist an den Namen des Besitztums und nicht an ein Einzelstück gebunden; das bedeutet also, dass, wenn ein Einzelstück von einem „cru classé“ gekauft wird, dieses gleichzeitig die Auszeichnung erhält. Wenn aber ein klassifiziertes Einzelstück von einem „cru non classé“ gekauft wird, so verliert auch dieses seinen Titel.Trotz alledem bleibt anzumerken, dass die Qualität der „vins classés“ wirklich exemplarisch ist und dem Konsumenten ein außergewöhnliches Produkt garantiert.